1. Was ist Terminologie?
Terminologie ist die Gesamtheit der Fachausdrücke eines Fachgebiets sowie die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Erarbeitung, Beschreibung und Ordnung von Fachwortschätzen befasst.
Drei Bedeutungen des Begriffs «Terminologie»
- Fachwortschatz: Die Menge aller Fachausdrücke eines bestimmten Fachgebiets (z. B. die Terminologie der Sanitärtechnik)
- Terminologielehre: Die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit Begriffen und ihren Benennungen befasst
- Terminologiearbeit: Die praktische Tätigkeit der Erfassung, Beschreibung, Darstellung und Verwaltung von Terminologie
Für ein international tätiges Unternehmen wie Geberit ist eine konsistente Terminologie unerlässlich – sie sichert die Qualität der technischen Dokumentation, erleichtert die Übersetzung und gewährleistet eine einheitliche Unternehmenssprache.
2. Grundbegriffe
🧠 Begriff
Eine Denkeinheit, die durch Abstraktion aus einer Menge von Gegenständen gebildet wird, denen gemeinsame Merkmale zugeschrieben werden.
Beispiel: Der Begriff «Spülkasten» als gedankliche Vorstellung eines Wasserbehälters zur Toilettenspülung.
🏷️ Benennung
Die sprachliche Bezeichnung eines Begriffs, bestehend aus einem Wort oder einer Wortgruppe.
Beispiel: «Unterputzspülkasten», «Aufputzspülkasten» sind Benennungen für unterschiedliche Spülkastenbegriffe.
📝 Definition
Eine Begriffsbestimmung, die einen Begriff von verwandten Begriffen abgrenzt und seine wesentlichen Merkmale beschreibt.
Beispiel: «Spülkasten: Behälter zur Bevorratung und dosierten Abgabe von Spülwasser für WC-Anlagen.»
📌 Terminus
Die Einheit aus Begriff und seiner zugeordneten Benennung innerhalb eines Fachgebiets. Ein Terminus ist also die Verbindung von Inhalt (Begriff) und Ausdruck (Benennung).
🗣️ Fachsprache
Der Teilbereich einer Sprache, der auf fachgebundene Kommunikation ausgerichtet ist und sich durch spezifische Terminologie, Syntax und Stilmittel auszeichnet.
3. Terminologische Prinzipien
Eindeutigkeit
Jeder Begriff sollte genau eine Benennung haben (Eineindeutigkeit). Synonyme und Homonyme werden vermieden oder klar geregelt. Ein Wort – ein Begriff – eine Bedeutung.
Konsistenz
Dieselben Benennungen werden durchgängig und einheitlich in allen Dokumenten, Systemen und Sprachen verwendet. Konsistenz schafft Vertrauen und reduziert Missverständnisse.
Normung
Terminologie orientiert sich an anerkannten nationalen und internationalen Normen (ISO, DIN). Normung sichert die übergreifende Verständlichkeit und erleichtert die Zusammenarbeit mit externen Partnern.
Sprachliche Angemessenheit
Benennungen sollten sprachlich korrekt, knapp und motiviert sein – idealerweise lässt die Benennung Rückschlüsse auf den bezeichneten Begriff zu (Transparenz).
4. Terminologiemanagement in der Praxis
Systematisches Terminologiemanagement umfasst die Planung, Erfassung, Pflege und Bereitstellung von Terminologie im gesamten Unternehmen.
Typischer Workflow
- Bestandsaufnahme – Bestehende Terminologie in Dokumenten, Systemen und Datenbanken sichten
- Extraktion – Fachbegriffe aus Texten identifizieren (manuell oder automatisch)
- Bewertung – Begriffe prüfen, Synonyme klären, Vorzugsbenennungen festlegen
- Erfassung – Terminologische Einträge mit Definition, Kontext, Quelle und Status anlegen
- Freigabe – Fachexperten und Stakeholder validieren die Einträge
- Bereitstellung – Terminologie über Datenbanken, Redaktionssysteme und Übersetzungstools verfügbar machen
- Pflege – Regelmässige Überprüfung und Aktualisierung
Nutzen für Geberit
- Höhere Qualität in technischer Dokumentation und Übersetzung
- Kürzere Durchlaufzeiten bei Redaktion und Lokalisierung
- Reduzierte Übersetzungskosten durch konsistente Ausgangstexte
- Einheitliche Unternehmenssprache über alle Märkte hinweg
- Verbesserte Auffindbarkeit in Suchsystemen und Katalogen
5. Wichtige Normen
| Norm | Titel | Inhalt |
|---|---|---|
| ISO 704 | Terminologiearbeit – Grundsätze und Methoden | Definiert Grundsätze der Begriffsarbeit: Begriffsmerkmale, Begriffsbeziehungen, Begriffssysteme, Definitionen und Benennungsbildung. |
| ISO 1087 | Terminologiearbeit und Terminologie-wissenschaft – Vokabular | Liefert die grundlegenden Definitionen der Terminologielehre selbst (z. B. «Begriff», «Benennung», «Terminus»). |
| ISO 30042 | TermBase eXchange (TBX) | Standardformat für den Austausch von Terminologiedaten zwischen verschiedenen Systemen. |
| ISO 12616 | Übersetzungsorientierte Terminografie | Richtlinien für die Erstellung terminologischer Einträge im Kontext von Übersetzungsprojekten. |
| DIN 2330 | Begriffe und Benennungen | Deutsche Grundnorm zu Grundsätzen der Begriffsbestimmung und Benennungsbildung. |
6. Werkzeuge und Methoden
🗄️ Terminologiedatenbanken
Zentrale Systeme zur Verwaltung terminologischer Einträge. Beispiele: SDL MultiTerm, Across crossTerm, TermStar, Kaleidoscope quickTerm.
🔍 Termextraktion
Software zur automatischen Identifikation von Fachbegriffen in Texten. Unterstützt die systematische Terminologieerfassung aus bestehenden Dokumenten.
✅ Terminologie-Checker
Tools, die Texte auf korrekte Verwendung der freigegebenen Terminologie prüfen (z. B. Congree, Acrolinx). Integration in Redaktionsprozesse möglich.
🔄 TBX-Austausch
Das standardisierte XML-Format TBX (ISO 30042) ermöglicht den systemübergreifenden Austausch von Terminologiedaten – essenziell für die Zusammenarbeit mit Übersetzungsdienstleistern.
📊 Begriffssysteme
Visuelle Darstellung von Begriffsbeziehungen (Ober-/Unterbegriffe, Teilbegriffe, Assoziationen) zur Strukturierung eines Fachgebiets.
🤖 KI-gestützte Methoden
Moderne NLP-Verfahren unterstützen bei der Termextraktion, Definitionsvorschlägen und der automatischen Erkennung inkonsistenter Terminologieverwendung.